Burnout: Spiel mit dem Feuer
Artikel aus der Kleinen Zeitung, Graz
Warum der schonende Umgang mit unseren Ressourcen die Voraussetzung für Gesundheit ist und wie wir lernen können, rechtzeitig Pausen zu machen. Experten klären auf.
Burnout
"Sehen Sie sich das Wort einmal genau an, die Metapher ist wichtig", sagt der Arbeitspsychologe Wolfgang Kallus von der Grazer Karl Franzens-Universität, dem österreichischen Zentrum für Arbeitspsychologie. "Burnout heißt, dass man grundsätzlich ‚on fire' war." Anders gesagt: Man trägt eine Begeisterung in sich, spürt ein Feuer. Das zeugt von Engagement, ein Umstand, dem das Wort sicher auch seine Popularität zu verdanken hat.
Gesellschaft
"Niemand sagt seinem Chef gerne, dass er eine Depression hat, Burnout ist da etwas ganz anderes", sagt Kallus. Wenngleich man wegen Burnout neuerdings vom Arzt krankgeschrieben werden kann. "Das ist einerseits gut, weil die Gesellschaft das Problem erkannt hat und es belegt ist, andererseits ist es schlecht für Burnout, weil nicht mehr so offen darüber geredet wird", meint Kallus.
Der Ursprung
Der Begriff kommt aus der Arbeitswelt und hat sich im Bereich der helfenden Berufe, der personenbezogenen Dienstleistungen entwickelt. "Das Phänomen ist, dass zum Beispiel hoch engagierte Ärzte und Krankenschwestern plötzlich sehr distanziert mit ihren Patienten umgehen, sie wie Nummern behandeln", erzählt Kallus. "Man lässt die Menschen, mit denen man zu tun hat, einfach nicht mehr richtig an sich herankommen."
Depression
Betroffene sind im Zustand chronischer psychischer und physischer Erschöpfung. Die Grenzen zur Depression sind nicht leicht zu ziehen. "Sagen wir es einmal so: Burnout ist noch die mildeste Krankheitsform, mit der der Organismus auf Überbelastung reagiert - ehe man in eine schwere Angststörung oder Depression kommt." Und Burnout ist ein Begriff, der ganz stark an die Berufswelt gekoppelt ist.
Zu wenig Erholung
Gehen wir zurück zur Metapher. Burnout heißt "der Ofen ist aus". "Der Ausgleich zwischen dem, was verbrennt und dem, was nachgelegt wird, stimmt nicht mehr." Auf unser Berufsleben umgelegt heißt das: zu viel Anstrengung und zu wenig Regeneration. Ein Problem der richtigen Pause, des verantwortungsvollen Umgangs mit unseren Ressourcen.
Von Sportlern lernen
Hier können wir von Hochleistungssportlern lernen, ist Kallus überzeugt. "Kein Mensch würde einen Sportler als faul bezeichnen, weil er regelmäßig Pausen macht und die Trainingsintensität variiert. Anders käme er ja ins Übertraining. Wenn in einer Firma zwei Mitarbeiter beim Kaffeeautomaten stehen, rechnet der Chef aber meistens durch, was das kostet. Dass ein Handwerker, der etwas Schweres in den fünften Stock getragen hat, eine Pause braucht, verstehen alle. Dass auch geistige Arbeit anstrengt und Pausen braucht, ist wenig akzeptiert."
Führungskultur
Womit wir bei einem wichtigen Schlagwort im Zusammenhang mit Burnout sind: Führungskultur. "Chefs können in einer Firma eine Kultur schaffen, in der Burnout nicht entstehen kann", ist der Gesundheitswissenschaftler Horst Noack überzeugt. Worum es dabei geht: um offene Kommunikation, um regelmäßiges Feedback und Fairness. "Probleme dürfen eben nicht totgeschwiegen werden, man muss darüber reden." Ein guter Chef erkenne die Belastung seiner Mitarbeiter - und habe ihr Vertrauen. Und das Vertrauen in die, die Verantwortung haben und die Macht, schütze vor Burnout, betont Noack und zählt zwei weitere Schutzfaktoren auf: "Viele soziale Bindungen - und Werte, also das Gefühl, dass im eigenen Umfeld der Mensch zählt."
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